Open Access (OA) hat sich als Publikationsweg für wissenschaftliche Zeitschriftenartikel und auch Buchpublikationen in den vergangenen Jahren immer weiter etabliert. Deutschlandweit wird für wissenschaftliche Artikel in ca. 70% der Fälle Open Access ausgewählt. Die Publikationshäuftigkeit in reinen Open-Access-Zeitschriften (Gold) liegt bei ca. 33%, die in hybriden Zeitschriften, die sowohl Open Access als auch Closed Access Artikel umfassen, bildet einen Anteil von ca. 35%. Diamond-Open-Access-Zeitschriften werden aktuell noch vergleichsweise selten als Publikationsweg genutzt.
An der Universität Stuttgart werden vergleichbare Zahlen für das Open-Access-Publizieren erreicht. Der Anteil an OA-Publikationen in hybriden Zeitschriften liegt hier allerdings um ca. 10% über dem deutschlandweiten Durchschnitt. Entsprechend sind die Gold- und Diamond-OA-Publikationszahlen geringer.
Die Kosten für das OA-Publizieren steigen für alle wissenschaftlichen Einrichtungen und die Kritik, dass das Publizieren im Open Access nur mit ausreichend finanziellen Mitteln möglich sei, gewinnt zunehmend an Gewicht. Auf der Suche nach Lösungen wird Diamond Open Access (DOA) als nicht profitorientierter Ansatz in den Fokus gerückt. DOA hat zum Ziel, dass weder für das Lesen wissenschaftlicher Beiträge noch für das Publizieren Kosten anfallen und so eine Teilhabe am wissenschaftlichen Diskurs unabhängig von finanziellen Mitteln möglich ist. Die bisherigen APCs, wie sie beim klassischen Open-Access-Publizieren zu zahlen sind, entfallen dann für die Autor*innen. Die DOA-Publikationsorgane liegen dabei in der Hand der Wissenschaft. So kann beispielsweise eine DOA-Zeitschrift durch eine Fachgesellschaft oder eine wissenschaftliche Einrichtung herausgegeben werden. Teilweise erfolgt hierbei eine konsortiale Finanzierung, im Rahmen derer mehrere Bibliotheken anteilig die Kosten für den Betrieb des Publikationsorgans übernehmen.
Ein wichtiger Pfeiler für die Etablierung und Weiterentwicklung von DOA an der Uni Stuttgart war das Projekt Diamond Thinking, das in Kooperation mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) umgesetzt und Ende 2025 erfolgreich abgeschlossen wurde. Ziel des Projektes war es, gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Best-Practice-Modelle für die DOA-Publikation von Zeitschriftenartikeln, Büchern und Conference Proceedings zu entwickeln und im Rahmen von Use Cases umzusetzen. Neben dem Erkenntnisgewinn in Bezug auf Bedarfe, Bedenken und Gestaltungsmöglichkeiten für DOA an der Universität Stuttgart wurden auch die nachfolgenden Services der Universitätsbibliothek erweitert und etabliert:
- Beratung zur und Förderung von OA-Buchpublikationa. mit der Möglichkeit eines Co-Publishing- Models mit dem britischen Wissenschaftsverlag Ubiquity Press
- Bereitstellung von OJS-Instanzen für die Herausgabe von Zeitschriften zur Publikation von Artikeln und Conference Proceedings
An der Universität Stuttgart wurden mit Beteiligung der Bibliothek bereits die folgenden Zeitschriften-Projekte umgesetzt:
- Horizonte - Neue Serie. Zeitschrift für Italianistik(kein OJS), ISSN 2510-1684
- Journal of Competences, Strategy & Management (JCSM), ISSN 2510-4357; erste Open-Access-Ausgabe 2021
- Journal of Technical Education (JOTED),ISSN 2198-0306
- Journal of Data- and Knowledge-integrated Simulation Science (JoDaKISS)(kein OJS, Overlay Journal), eISSN 2944-7666
- Aachen-Berlin-Stuttgart-Reihe (ABS)
Dabei haben die Zeitschriften unterschiedliche Ausrichtungen. Sie werden für die Publikation von Zeitschriftenartikeln genutzt oder um Konferenzbeiträge an einer zentralen Stelle zugänglich zu machen. Eine Besonderheit stellt das Journal JoDaKiss dar, das in 2025 die ersten Publikationen verzeichnen konnte. Hierbei handelt es sich um ein so genanntes Overlay Journal, das sich der wissenschaftlichen Qualitätsprüfung von Datensätzen und Software für Simulationen widmet. Dabei wird auf bestehende Repositorien zurückgegriffen, in denen Daten und Software bereits publiziert, jedoch nicht extern qualitätsgeprüft sind. Forschende haben die Möglichkeit, ihre Datensätze und Programme zur Begutachtung bei JoDaKISS einzureichen.
All diese Wege unterstützen die Etablierung eines nicht profitorientierten und an den Bedarfen der Wissenschaft orientierten Publikationswesens, in dem wissenschaftliche Einrichtungen und Fachgesellschaften als Herausgeber im Rahmen der Wissenschaftskommunikation fungieren.
Für die Stärkung des Diamond Open Access Ansatzes startete im Jahr 2025 die Umsetzung der durch die DFG finanzierten Servicestelle Diamond Open Access (SeDOA). Diese hat u.a. die Aufgabe Basisdienste im Bereich des Publizierens zu bündeln, bereitzustellen und zu vermitteln, die nationale und internationale Vernetzung zu fördern und über den Aufbau einer Registry bestehende, qualitätsgesicherte Diamond-Open-Access-Zeitschriften an einer zentralen Stelle zu präsentieren.
Kontakt
Maren Wurtscheid
Fachreferat,
Open-Access-Beauftragte,
DFG-Projekt OA-Publikationskosten,
Bibliometrie

