Das Rahmenwerk für Künstliche Intelligenz an der Universität Stuttgart
Mit Wirkung zum Wintersemester 2025/26 hat die Universität ein umfassendes, mit dem Personalrat abgestimmtes Rahmenwerk zur Nutzung von Künstlicher KI (KI) eingeführt. Dieser Schritt geht weit über die bloße Einführung neuer Softwaretools hinaus: Er etabliert einen rechtssicheren, datenschutzkonformen und transparenten Ordnungsrahmen, der den universitären Alltag nachhaltig verändert. Ziel ist es, das enorme Innovationspotenzial der KI zu erschließen, gleichzeitig aber die Sicherheit sensibler Daten und die ethischen Grundsätze der akademischen Arbeit zu garantieren.
Das neue Rahmenwerk ist als ganzheitliches System konzipiert und basiert auf drei fundamentalen Säulen: einer präzisen Vertraulichkeitsklassifikation für Informationen, einer verbindlichen Richtlinie zur Nutzung von KI-Systemen sowie einer zentralen Whitelist freigegebener Tools. Diese Elemente bilden das Fundament für einen zukunftsorientierten Umgang mit KI, der Sicherheit und Flexibilität in Einklang bringt.
Zentraler Bestandteil des neuen universitären KI-Portfolios ist die Einführung von „RAI – Responsible AI“. Dieses Tool, das lokal von IZUS/TIK verantwortet wird, stellt eine einheitliche und benutzerfreundliche Schnittstelle zu verschiedenen Sprachmodellen bereit. RAI wurde entwickelt, um die Lücke zwischen den Anforderungen an Datenschutz und dem Bedarf an moderner KI-Leistung zu schließen.
Im Gegensatz zu frei verfügbaren, externen KI-Tools, die weiterhin zum Experimentieren mit rein öffentlichen Informationen genutzt werden dürfen, bietet RAI eine robuste, sichere und verlässliche Infrastruktur für den professionellen Einsatz in Forschung, Lehre und Verwaltung. Ein entscheidender Vorteil ist die Gewährleistung, dass Eingaben nicht für Trainingszwecke externer Anbieter genutzt werden. Dies ermöglicht es Beschäftigten, auch mit sensiblen und internen Daten zu arbeiten, ohne Compliance-Risiken einzugehen.
RAI operiert dabei in zwei klar definierten Betriebsvarianten, die unterschiedliche Anforderungen an Datenschutz und Datenherkunft adressieren:
- GWDG-Modelle (Open Source): Diese Variante nutzt Open-Source-Sprachmodelle, die von der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen (GWDG) auf deren Hardware in Deutschland betrieben werden. Da die Datenverarbeitung vollständig im deutschen Rechtsraum stattfindet, ist diese Variante für die Eingabe vertraulicher und interner Informationen vorgesehen und geeignet. Sie steht allen Beschäftigten der Universität Stuttgart kostenfrei zur Verfügung und stellt damit ein hochwertiges, internes Angebot dar, das die Souveränität der Daten wahrt.
- OpenAI-Modelle über Microsoft Azure: Die zweite Variante bietet Zugang zu diversen Sprachmodellen von OpenAI, die auf der Cloud-Plattform Microsoft Azure in der EU-Region gehostet werden. Die Nutzung dieser Modelle ist für die Bearbeitung von öffentlichen sowie internen, aber nicht-vertraulichen Informationen geeignet und zulässig. Die Universität Stuttgart übernimmt hierbei die Nutzungskosten zentral, um den Zugang zu leistungsstarken KI-Modellen für alle Mitarbeitenden zu erleichtern.
Durch diese duale Struktur kann die Universität Stuttgart sowohl hohe Sicherheitsstandards bei sensiblen Projekten als auch den Zugang zu modernsten KI-Technologien für den allgemeinen Arbeitsalltag gewährleisten.
Die Einführung des Rahmenwerks erfolgte nicht im luftleeren Raum, sondern in enger Abstimmung mit den aktuellen regulatorischen Anforderungen, insbesondere der EU-KI-Verordnung. Um die Compliance sicherzustellen, wurde ein verbindliches Schulungskonzept integriert.
Alle Beschäftigten, die KI-Systeme für dienstliche Zwecke nutzen möchten, sind verpflichtet, vor der ersten Nutzung spezifische Schulungselemente zu absolvieren, zu finden in unserer Lernplattform ILIAS und auf der neuen Informationswebseite „Rahmenwerk zur Nutzung von KI“ verlinkt. Diese Schulungen vermitteln nicht nur den technischen Umgang mit den Tools, sondern schärfen auch das Bewusstsein für ethische Implikationen, Datenschutzrisiken und die korrekte Klassifikation von Informationen. Nur nach erfolgreichem Abschluss dieser Schulung ist die dienstliche Nutzung der KI-Tools freigegeben.
Die Webseite dient als zentrale Drehscheibe für alle relevanten Informationen. Sie bietet nicht nur Zugang zu RAI und der Whitelist, sondern stellt auch detaillierte Informationen zur Vertraulichkeitsklassifikation bereit. Zudem sind dort Kontaktadressen für Support und Nachfragen verzeichnet, um eine schnelle und kompetente Hilfe bei technischen oder organisatorischen Fragen zu gewährleisten.
Ein besonderer Fokus des neuen Rahmenwerks liegt auf der Integration von KI in die Lehre. Die Universität Stuttgart hat erkannt, dass KI-Tools nicht nur für die Forschung und Verwaltung, sondern auch im pädagogischen Kontext eine transformative Rolle spielen.
RAI bietet hier einzigartige Vorteile: Da Studierende für die Nutzung keinen externen Account benötigen und die gesamte Datenverarbeitung innerhalb einer datenschutzkonformen Infrastruktur stattfindet, kann RAI verpflichtend in Lehrveranstaltungen eingesetzt werden. Dies ermöglicht es Lehrenden, KI-gestützte Übungen, Analysen oder Schreibprozesse direkt in ihre Lehre zu integrieren, ohne dass Studierende auf externe, evtl. für sie kostenpflichtige und potenziell datenschutzkritische Plattformen ausweichen müssen.
Um Transparenz und Orientierung für die Studierendenschaft zu schaffen, wurden eigene Webseiten mit Grundsätzen zur Nutzung von KI im Studium eingerichtet. Diese klären über die Möglichkeiten, aber auch über die Grenzen und ethischen Richtlinien der KI-Nutzung im akademischen Kontext auf.
Zusätzlich wurde ein breiter Kommunikationsaufwand betrieben, um die Grundsätze der KI-Nutzung im physischen Lernraum sichtbar zu machen. In den Tagen nach der Einführung erhielten alle Institute Plakate (DIN A1, zweisprachig in Deutsch und Englisch) per Hauspost. Diese Plakate, die den Wunsch der Studierenden nach Sichtbarkeit im öffentlichen Raum aufgreifen, dienen als permanente Erinnerung und Orientierungshilfe in Fluren und Lernbereichen. Sie verdeutlichen, dass die Universität Stuttgart die Nutzung von KI nicht verbietet, sondern aktiv gestaltet und in den akademischen Alltag integriert.
Mit dem im Jahr 2025 eingeführten Rahmenwerk hat die Universität Stuttgart einen klaren, umfassenden und zugleich flexiblen Ordnungsrahmen geschaffen. Dieser Rahmen ermöglicht es der Hochschule, die Chancen der Künstlichen Intelligenz für Forschung, Lehre und Verwaltung voll auszuschöpfen, ohne dabei die Sicherheit der Daten oder die Rechte der Beschäftigten und Studierenden zu vernachlässigen.
Die Kombination aus einer sicheren, lokal und in der EU verwalteten Infrastruktur (RAI), einer klaren rechtlichen Richtlinie und einem umfassenden Schulungskonzept positioniert die Universität Stuttgart als Vorreiter im Bereich der verantwortungsvollen KI-Nutzung im deutschen Hochschulsektor. Der Weg ist geebnet für eine innovative und sichere Zukunft, in der KI als unterstützendes Werkzeug dient, um die akademische Exzellenz weiter zu stärken.
Die Einführung dieses Systems ist mehr als eine technische Aktualisierung; sie ist ein Bekenntnis zur digitalen Souveränität und zu einem ethischen Umgang mit neuen Technologien. Mit „RAI – Responsible AI“ steht nun ein Werkzeug zur Verfügung, das nicht nur die Effizienz steigert, sondern auch das Vertrauen in die digitale Infrastruktur der Universität festigt.
Das Jahr 2026 wird im Zeichen der Weiterentwicklung von RAI und des gesamten Rahmenwerks zur Nutzung Künstlicher Intelligenz an der Universität Stuttgart stehen.
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Dr. Heiko Schulz
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