Aufgrund eines Schwelbrands im August 2023 musste die Universitätsbibliothek am Standort Stadtmitte für ca. zwei Monate vollständig geschlossen werden. Seitdem befindet sich die Universitätsbibliothek bis zur geplanten Generalsanierung (ab 2028/2029) in einem provisorischen Betrieb.
Der Lesesaal, der Freihandbereich, das Offene Magazin und das Learning Center konnten nach der Schließung im August 2023 nicht wieder in Betrieb genommen werden. Damit sind auch die dort eigentlich zur Freihandnutzung aufgestellten Bestände nicht mehr in Selbstbedienung unmittelbar zugänglich, sondern können erst nach vorheriger Bestellung eingesehen oder entliehen werden.
Vor der Schließung der Benutzungsbereiche im August 2023 verfügte die Bibliothek am Standort Stadtmitte über 650 Lernplätze. Nach der Teilöffnung im Oktober 2023 wurden auf den noch nutzbaren Flächen in der Kataloghalle im 1. Obergeschoss, im Eingangsfoyer und im Vortragssaal insgesamt 281 provisorische Lernplätze eingerichtet.
Die Begutachtung des Gebäudes ergab, dass bis zur Generalsanierung nur das Erdgeschoss dauerhaft genutzt werden kann. Die in den beiden Obergeschossen aufgestellten Bestände können am Standort verbleiben, da eine Nutzung als Lagerfläche mit kurzen Aufenthalten der Mitarbeiter*innen zum Ausheben der Medien weiterhin möglich ist. Alle weiteren Funktionsflächen wie Lernplätze, der Schulungsraum im öffentlichen Bereich sowie die Büros der Mitarbeiter*innen im internen Bereich müssen aufgegeben werden. Zudem muss das Untergeschoss mit dem Magazinbestand von ca. einer Million Bänden vollständig geräumt werden.
Auch 2025 wurden die Vorbereitungen fortgesetzt, um bis zur Generalsanierung einen sicheren und funktionsfähigen Weiterbetrieb im Gebäude Holzgartenstraße zu gewährleisten. Das Jahr war somit von einer Vielzahl an Umzügen und Anpassungen im baulichen Bereich und im Bibliotheksbetrieb geprägt.
Zunächst wurde die Elektroinfrastruktur im Erdgeschoss erweitert und insbesondere im Eingangsfoyer die noch fehlenden Netzwerkanschlüsse installiert. Darüber hinaus erhielt die Freitreppe im Foyer eine brandschutzgerechte Einhausung.
Die Zugänge vom Eingangsbereich sowie vom Direktionsfoyer zu den internen Verwaltungsbereichen wurden mit neuen Brandschutztüren ausgestattet. Parallel dazu wurden die Vorbereitungen für den Umzug des Magazinbestandes in ein angemietetes Außenlager getroffen.
Die erforderlichen Anpassungen an den Interimsbetrieb stellen Nutzer*innen wie Mitarbeiter*innen vor große Herausforderungen und bieten nicht immer eine zufriedenstellende Lösung.
Die größte und für die Bibliotheksnutzer*innen unmittelbar erlebbare Veränderung trat im Mai 2025 mit der Aufgabe der Kataloghalle und dem Umzug der Leihstelle aus dem 1. Obergeschoss in das Erdgeschoss ein. Dies wurde zeitgleich mit der Fertigstellung der Brandschutz-Einhausung der Freitreppe vollzogen. Seitdem stehen den Bibliotheksbesucher*innen nur noch das Eingangsfoyer und der Vortragsaal für Services zur Verfügung. Im Erdgeschoss befinden sich nun auf engem Raum die Leihstelle, die wichtigsten und regelmäßig nachgefragten Selbstbedienungsgeräte aus dem Lesesaal sowie Einzel- und Gruppenlernplätze. Neben dem Leihstellenbereich, den Bereitstellungsregalen für bestellte Medien und der Selbstverbuchungsstation wurden auch zwei der häufig nachgefragten Buchscanner, drei Recherche-Arbeitsplätze für die Katalog- und E-Medien-Nutzung sowie das Mikroformenlesegerät in das Foyer umgezogen. Die immobile Rückgabestation konnte hingegen nicht umgezogen werden. Die Buchrückgabe erfolgt nun ausschließlich am Schalter der Leihstelle.
Mit dem Umzug der Leihstelle ins Erdgeschoss im Mai 2025 verringerte sich die Zahl der dort verfügbaren Lernplätze von 281 auf 180.
Die Anordnung der Einzel-Lernplätze im Foyer ist unbefriedigend. Die meisten Lernplätze verfügen über keinen Stromanschluss. Zudem herrscht im Eingangsbereich reger Durchgangsverkehr aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Leihstelle sowie den ständig frequentierten Zugängen zu den Verwaltungsräumen und Toiletten. Es lässt sich keine „richtige“ Lesesaalruhe herstellen.
Die Gruppenlernplätze im Vortragsraum sind nicht durchgängig mit Stromanschlüssen ausgestattet und bieten keine unterschiedlichen Formen des Gruppenlernens. Stattdessen steht lediglich eine Standardanordnung zur Verfügung.
Aufgrund der Bausituation und finanzieller Einschränkungen konnten keine vielfältig gestalteten Lern- und Arbeitsumgebungen eingerichtet werden. Trotz ihrer nur eingeschränkt ausgestatteten und möglicherweise wenig attraktiven Gestaltung werden die Lernplätze dennoch gut bis sehr gut genutzt. Dies deutet darauf hin, dass am Campus Stadtmitte ein hoher Bedarf an Lernplätzen in der Universitätsbibliothek besteht und die Bibliothek als Lernraum an sich einen hohen Stellenwert hat.
Ein ergänzendes Angebot bieten die Lernplätze in den Institutsbibliotheken der nahe gelegenen Kollegiengebäude I und II auf dem Campus Stadtmitte. Diese können alternativ zu den Lernplätzen in der Universitätsbibliothek genutzt werden.
Die zweite große Anpassung des Jahres betraf die Arbeitsumgebungen der Bibliotheksmitarbeiter*innen. Mit der Schließung der oberen zwei Stockwerke verfügt die Bibliothek nicht mehr über genügend Büros für ihre Mitarbeiter*innen. Ein Ausweichen auf den Standort Vaihingen ist nicht möglich, da dort bereits alle verfügbaren Büroräume belegt sind. Die Wahl für Ausweichflächen fiel 2024 auf das teilweise leerstehende und sanierungsbedürftige Universitätsgebäude im Herdweg 51.
Dort entstanden im ersten und zweiten Obergeschoss neue Arbeitsplätze für 30-35 Mitarbeiter*innen, zusammen mit zwei webkonferenztauglichen Besprechungsräumen, einem Kopierraum und einer Teeküche. Die Räume wurden im November 2025 bezogen.
Die Entscheidung, welche Mitarbeiter*innen in dem Gebäude in der Holzgartenstraße verbleiben, wurde anhand der Frage getroffen, wer regelmäßig vor Ort in unmittelbarer Nähe zum Bestand und zur Nutzerschaft arbeiten muss und wie viele Arbeitsplätze im jeweiligen Gebäude zur Verfügung stehen. In den Herdweg zogen beispielsweise das Team der Fachreferent*innen, die Projektmitarbeiter*innen, sowie das Kompetenzzentrum für Forschungsdaten (FoKUS). Der überwiegende Teil der Mitarbeiter*innen kann bis zum Beginn der Sanierungsmaßnahmen weiterhin im Gebäude und unter stark improvisierten Bedingungen weiterarbeiten.
Die Zusammenarbeit ist nach den Umzügen deutlich komplexer geworden. Die Bibliothek und ihre Mitarbeiter*innen sind nun auf drei Standorte verteilt. Nach dem Umzug des Magazins aus dem Untergeschoss in ein Außenmagazin in Weilimdorf 2026 werden es vier Standorte sein. Kolleginnen und Kollegen sehen sich seltener, Dienstgänge nehmen zu, die Fahrten zwischen Standorten werden häufiger und länger. Besprechungen finden zunehmend in hybrider Form statt. Für bestimmte Besprechungen ist jedoch weiterhin eine persönliche Anwesenheit erforderlich. Die räumliche Verteilung der Arbeitsplätze führt dazu, dass ein nicht unerheblicher Teil der Arbeitszeit für Wege zwischen den verschiedenen Standorten aufgewendet werden muss.
Der provisorische und eingeschränkte Betrieb der Universitätsbibliothek wird bis zum Beginn der Generalsanierung und darüber hinaus fortgeführt. Für die Dauer der Baumaßnahme sind zusätzliche Interimsunterbringungen für die Mitarbeiter*innen, deren Büros sich noch in der Holzgartenstraße befinden, sowie für die noch im Gebäude verbleibenden Bestände erforderlich.
Kontakt
Frank Wiatrowski
Digitalisierung
Öffentlichkeitsarbeit
Cristina Mehl
Leitende Bibliotheksdirektorin
Abteilungsleitung Digitale Dienste (kommissarisch)