Sammlungen gehören zum kulturellen Erbe der Hochschule und des Landes. Sie sind Teil der Forschungsinfrastruktur der Universität und werden für Forschung, Lehre und Wissenschaftskommunikation genutzt. Objekte werden gesucht, gefunden und vermessen; sie werden für wissenschaftliche oder technische Zwecke verändert oder von Grund auf konstruiert und gebaut. An ihnen und mit ihnen werden komplexe Vorgänge, Gesetzmäßigkeiten oder abstrakte Ideen greifbar und anschaulich. Münzen, Zeichnungen, Modelle, technische Geräte, Instrumente, Seile, Mineralien, Textilien, Präparate, Rechenmaschinen und noch mehr zeichnen die Vielfalt unserer mehr als 30 Sammlungen aus. Objekte aus allen Fachbereichen und Fakultäten dokumentieren und speichern Wissen und Forschungserkenntnisse. Sie sind an der Universität Stuttgart dezentral an Instituten, Fakultäten und Einrichtungen untergebracht. Dort werden sie für Vorlesungen, Seminare, Drittmittelprojekte oder zur Dokumentation der eigenen Forschungsgeschichte verwendet.
Viele Sammlungsbetreuende sind im Sammlungsnetzwerk zusammengeschlossen, das sich einmal im Semester zu Fragen des Sammlungsmanagements und des Wissenschaftstransfers austauscht und gemeinsame Disziplinen übergreifende Projekte initiiert. 2024 wurde ein Entwurf für eine Sammlungsordnung auf den Weg gebracht, die – wie an anderen Universitäten auch – Status und Umgang mit dem Forschungs- und Kulturgut regeln soll.
Die UB als Kulturgut verwahrende Institution ist Mitbegründerin des Sammlungsnetzwerks. Sie unterstützt von Anfang an seine Arbeit durch den Aufbau verschiedener zentraler Services im Kompetenzzentrum Sammlungen.
So stellt die UB eine gemeinsame Datenbank bereit, zu der alle Sammlungsbetreuenden Zugang erhalten. Als Open Source Datenmanagementsoftware wird Goobi eingesetzt. Die Sammlungen können hier ihre Objekte nach einem gemeinsamen Standard erfassen und Prozesse verwalten. Inventarnummer, Abbildung sowie Metadaten zur Objektebiografie sind in normierten Datenformaten miteinander verknüpft, werden dauerhaft gespeichert und können für verschiedene Anwendungsszenarien ausgegeben werden (Z.B. für Publikationen, OER, Planung von Ausstellungen, Bestandserhaltungsmaßnahmen oder Drittmittelprojekten etc.). Ausgewählte repräsentative Objekte werden in 2D oder 3D im Viewer der „Digitalen Sammlungen“ für die Öffentlichkeit gemäß der FAIR-Prinzipien publiziert und für die weitere Nachnutzung in Forschung, Lehre und Science Outreach weltweit bereitgestellt. Diesen zentralen Service hat die Universitätsbibliothek in 2024 noch stärker ausgebaut, indem sie die Institute und Einrichtungen bei der Objektinventarisierung und der Digitalisierung ihrer Objekte personell unterstützt.
Wie alle Sammlungen, ob Bücher oder Archivalien, müssen auch Objektsammlungen betreut und gepflegt werden. Dies geschieht am besten dezentral in den jeweiligen Fachbereichen und unterstützt durch eine zentrale koordinierende Stelle. Oft stellt sich in der Praxis auch die Frage nach dem „Entsammeln“. Nicht alle Sammlungen können dauerhaft und vollständig an einem Institut oder an der Hochschule erhalten bleiben. Platzgründe sowie Veränderungen im Forschungs- und Lehrgebiet sorgen mitunter für eine prekäre Situation mancher Sammlungen. In Ermangelung eines Ortes oder einer Einrichtung, die sich um das materielle, dreidimensionale Erbe der Hochschule kümmert, wurden Objekte in der Vergangenheit oftmals vernichtet, notlagernd im Universitätsarchiv oder unsystematisch in Kellern oder Büros deponiert. Seit 2024 werden wichtige Einzelobjekte im „FundUS Wissenschaftsgeschichte“ über das Kompetenzzentrum Sammlungen der UB verwaltet, aufbewahrt, bestandserhaltend verpackt, durch eine Digitalisierung online zugänglich gemacht und so für die weitere Nachnutzung zur Verfügung gestellt (Lehrveranstaltungen, Forschungsfragen, Ausstellungen, Science Outreach etc.). (Abb. 2, 3) Die Aufnahme in den zentralen Fundus erfolgt nach operativen Kriterien, die unter anderem Forschungsrelevanz, Forschungsreferenz (Typenmaterial), Repräsentation der eigenen Institution, Ausstellbarkeit, Erhaltungszustand, ethische Aspekte, Gefährdungspotenzial, irreparable Beschädigungen, Vermögenswert sowie Bewahrungspflicht umfassen.
Exemplare aus der Sammlung
Kontakt
Christiane Rambach
Dr.Fachreferat, Digitalisierung, Bestandserhaltung, Sammlungen